Bilder von Georg Holbein 2005 - 2020

Das Malen entdeckte ich für mich im Jahr 2005. Ich hatte das Glück, eine Gestaltungstherapeutin kennenzulernen, die mich mit großem Einfühlungsvermögen ermutigte, meinen inneren Bildern im Malen einen Ausdruck zu geben.

Mein erstes Medium waren Pastellkreiden. Sie fordern dazu heraus, sich nicht in Details zu verlieren, was gerade für Anfänger im Malen eher ein Vorteil ist, wenn man noch starke Zweifel hat, ob man "richtig" malen kann. Sie fördern durch die Technik des Verwischens den unmittelbaren Kontakt zwischen Körper und Bild, lassen Berührungen zu Bildern werden, und innere Vorstellungen zu berührenden Bildern.

Im weiteren Verlauf meiner Malerfahrungen entdeckte ich für mich eine Möglichkeit, meine bildlichen Vorstellungen druch Entwürfe am Computer zu gestalten und diese dann in gemalte Bilder zu übersetzen. Aus dieser Phase stammen einzelne Bilder, bei denen ich Bleistiftzeichnungen mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms digital koloriert habe. Auch heute noch entstehen die meisten Entwürfe meiner Bilder zunächst am Computer. 

Da ich nie Mal- oder Zeichenunterricht genommen habe, waren gerade für das figürliche Malen Fotovorlagen oder Kollagen, die ich aus Fotos am Computer erstellt habe, wichtige Hilfsmittel, die ich bis heute als Grundlage für meine Bilder verwende. Dabei ist es für micht nicht entscheidend, die Vorlagen naturgetreu in Bilder zu übertragen. Vielmehr entwickeln viele Bilder im Malprozess ein Eigenleben und verändern sich immer wieder, manchmal über Jahre, bis sie zum Abschluss kommen.

Es ist bis heute ein innerer Widerstreit geblieben zwischen dem Wunsch, "perfekter" im Sinne von realistischer, anatomisch richtiger etc. malen zu können und der Erfahrung, dass manchmal gerade die Unperfekten, aus dem Gefühl und der Intuition entstandenen Bilder den stärksten Ausdruck gewinnen.

Das Malen bietet mir in erster Linie eine Möglichkeit, den oft unaussprechbaren Gefühlen von Leid und Ohnmacht, von Verletzlichkeit und Gewalterfahrungen einen Ausdruck zu geben und somit meine beruflichen und biografischen Erfahrungen zu transzendieren und sichtbar zu machen.

Georg Holbein